Der Verein für Rasensport e.V. - ein Allsportverein

Nach dem 1. Weltkrieg, als sich das Leben wieder normalisierte, wurde auch der Wunsch nach sportlicher Betätigung in Baumholder immer größer. Zwar hatte man - als Fußballabteilung innerhalb des Turnvereins - schon ab 1919 immer etwas "gebolzt" doch erkannte man sehr bald, dass nur ein organisierter Sport- und Spielbetrieb Aussicht auf Erfolg haben könne. Leider sind aus dieser Zeit keine Unterlagen auffindbar, so darf es nicht verwundert, wenn keine Namen der damaligen Gründer genannt werden können. Aber allen Gründern, die damals, im Juni 1921 im Nebenzimmer der Gaststätte Georg Herrmann ( Hermann Schorsch ), das war bis vor kurzem noch der "Goldene Engel" , zugegegen waren und durch ihre Anwesenheit die Gründung des VfR ermöglichten, sei Dank gesagt für ihre fortschrittliche Haltung gegenüber der noch jungen und in weiten Teilen der Bevölkerung verpönten Sportart. Schon bald danach wurde der erste Fußballplatz gebaut, weitere folgten, so dass wir heute auf dem 1975 eingeweihten Rasenplatz ,der unserem Vereinsnamen Rechnung trägt, spielen können. Seit 2008 wird die beispielhafte Sportanlage "Im Brühl" von einem Kunstrasenfeld ergänzt­übrigens das erste im Kreis Birkenfeld.

Am 2. September 1886 - also 35 Jahre vor dem Geburtsdatum der Fußballabteilung- wurde der T.V. Baumholder gegründet. Zwar bestand schon 1862 bis 1869 ein Turnverein, der aber nicht von Dauer war. Der erste Vorsitzende hieß Heinrich Lang, der Verein zählte ganze 20 Mitglieder. Eine Turnhalle, wie man sie heute kennt gab es nicht, aber es stand auch kein anderes großes Gebäude zur Verfügung, in dem man hätte Sport treiben bzw. turnen können. Im Winter wurde in einem eher ungeeigneten Saal geturnt, im Sommer im Hof des evangelischen Pfarrhauses. Turngeräte standen weitest gehend nicht zur Verfügung. Waren doch die Voraussetzungen äußerst schlecht, so stieg die Zahl der Mitglieder stetig an; 1907 zählte man bereits 220.

Heute ist der VfR Baumholder ein "Allsportverein" mit derzeitig 7 Sparten: Badminton, Fußball, Karate, Leichtathletik, Schach, Tennis und Turnen. Leider sind die Sparten Volleyball und Handball eingeschlafen, obwohl die besten Voraussetzungen, was Sportanlagen betrifft, vorhanden sind. Was fehlt, sind verantwortungsbewusste Sportler, Trainer und Funktionäre, die sich um einen Neuaufbau bemühen würden.

Für die Bereitstellung aller Sportanlagen und ihre kostenlose Nutzung sei an dieser Stelle der Stadt, an der Spitze der sehr sportbegeisterte Bürgermeister Peter Lang, sehr herzlich gedankt. Kurioserweise trägt er denselben Namen wie der 1. Vorsitzende aus dem Jahr 1886. Ob da ein Verwandtschaftverhältnis besteht? Jedenfalls scheint die Wesensart gemein.

Das langjährige Aushängeschild des VfR, die Abteilung Fußball, in Sonderheit die 1. Mannschaft spielt seit 2014 wieder in der Landesliga. Junge Fußballer - auf dem Bolzplatz groß geworden, aus dem eigenen Nachwuchs - sind zur 1. Mannschaft dazu gekommen und helfen, aus den Niederungen des Provinzfußballs wieder empor zu steigen und dort hin zu kommen, wo man in den 50-er Jahren schon einmal war. Der VfR spielte damals in der dritten Spielklasse und konnte phantastische Ergebnisse aufweisen, man denke nur an das 1 : 0 in dem Pokalspiel des Jahres 1959 gegen die "Roten Teufel" des 1. FC Kaiserslautern, die mit Weltmeistern angetreten waren und mit gesenktem Haupte - ernüchtert - nach Hause fahren mussten, denn Jakob Mohr, der Ausnahmefußballer im grün-weißen Trikot, erzielte das "Golden Goal" für den VfR !

Mit seinen über 1200 Mitgliedern ist der VfR der drittgrößte Verein des Kreises Birkenfeld; nur der ldarer TV und der TV 1-0 sind noch etwas größer.

Eine erfolgreiche Abteilung Tennis, gegründet 1971 ., eine Abteilung Badminton, die vor allen Dingen im Jugendbereich sehr erfolgreiche Arbeit leistet, eine noch sehr junge Abteilung Schach spielt bereits in der Pfalzliga, eine kleine Abteilung Karate komplettieren das Bild des VfR. Eine ganz neue Sportart unter dem Mantel der Abteilung Turnen hat im vorigen Jahr bundesweit von sich reden gemacht: die Cheerleader.

Seit 2014 geht der VfR Baumholder mit einem neuen Vorstandmodel in die Zukunft. Der Verein wird nun von fünf gleichberechtigten Vorsitzenden, die verschieden Resorts leiten, geführt.

Der VfR Baumholder leistet eine vorbildliche Jugendarbeit - fast die Hälfte seiner Mitglieder sind Jugendliche - . In allen Sparten bietet er speziell auf Jugendliche zugeschnittene Übungseinheiten an. Qualifizierte Übungsleiter leiten das Training und leisten somit für den VfR unschätzbare, aber auch für die Kommune eine außerordentliche soziale und integrative Arbeit. Über 100 Jugendliche und auch Erwachsene, deren Ursprungsland nicht Deutschland ist, gelungen das Angebot des VfR dankbar an, sie fühlen sich in der großen Familie sehr wohl. Dazu gehören so genannte Aussiedler; aber auch amerikanische Jugendliche und Erwachsene befinden sich darunter. Das macht den VfR- Vorstand besonders stolz, denn damit trägt er in nicht unerheblichem Maße zur Völkerverständigung bei, die in diesen Tagen besonders groß geschrieben werden sollte, gerade unseren amerikanischen Mitbürgern gegenüber ! Im VfR integriert war eine eigene Abteilung Jugendsport, sie ruht im Augenblick, weil sich bisher noch kein engagierter Jugendlicher gefunden hat, als Ressortleiter im Vorstand mit zu arbeiten.

Der VfR "geht auch in die Schule" ! Mit der Grund- und Hauptschule "Westrich" unterhält er einen Kooperationsvertrag im Bereich Jugendfußball und Tennis. Die Abteilung Schach. unter dem Vorsitz von Manfred Menne, bietet einmal wöchentlich einen Schachlehrgang für Grundschüler an - und das unentgeltlich!

Seit geraumer Zeit unterhält der VfR in Verbindung mit der Stadt Baumholder ein "Minifußballfeld" ; das ist ein Kunstrasenfeld, gesponsort vom DFB und der Stadt, auf dem sich täglich viele Kinder tummeln und ihrem Hobby auf spielerische Weise nachgehen. Vielleicht und hoffentlich trägt diese Einrichtung schon sehr bald Früchte!

Auch überregional konnte der VfR Baumholder in der Vergangenheit sich ins rechte Licht rücken: zwei VfR – Akteure kamen dabei zu höchsten sportlichen Ehren. Karl – Horst Böhmer wurde in den fünfziger Jahren Deutscher Jugendmeister im Gewichtheben. Damals hatte der VfR noch eine Schwerathletik – Abteilung in seinem Angebot.

Im Jahre 1990, als es noch eine Leichtathletik – Abteilung gab, wurde Isolde Leonhard – die Hoppstädterin startete für den VfR –  Vize-Europameisterin im Marathonlauf in ihrer Altersklasse. In den Jahren 1988 bis 1990 wurde sie ununterbrochen dreimal Deutsche Meisterin in verschiedenen Langlaufdistanzen in ihrer Altersklasse.

Ganz aktuell kann der VfR mit einem Vorzeigeathleten aufwarten: Emmerich Kiss hat sich dem Hammerwurf verschrieben, er hat sich und dem VfR auf Westdeutschen und Deutschen  Meisterschaften und durch eine Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Finnland im Jahr 2012 einen Namen gemacht. Als Westdeutscher Meister im Hammerwurf ( Altersklasse M 70 ; mit 44,14 m ) hat er sich qualifiziert  für die  Europameisterschaften, die im  Jahr 2010  in Ungarn stattfanden. Dort belegte er einen herausragenden 5. Platz – nur deshalb, weil er in der für  ihn ungünstigeren Wettkampfklasse starten musste. Ganz aktuell ist der 2. Platz ( die Silbermedaille ) bei den Hallen-Europameisterschaften in Gent. Dort machte er mit einem erneuten Rheinland-Rekord von 46,68 m von sich und dem VfR Baumholder reden. Auch Emmerich Kiss – ein gebürtiger Rumäne aus dem Banat – ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass beim VfR Baumholder Integration großgeschrieben wird.

Seit dem 17. April 2013 heißt der VfR mit vollständigem Namen

Verein für Rasensport 1886 e.V.

Wie kam es dazu?  Die Namensänderung ist zu verstehen als Hommage an den Vorgängerverein, der am 2. September 1886 als TV Baumholder gegründet wurde. In der Jahreshauptversammlung 2013 wurden die Weichen gestellt. Klaus Schöpfer erklärte die Begründung zur Satzungsänderung, die Versammlung stimmte einmütig dafür, das Vereinsregister beim Amtsgericht übernahm den Beschluss der Mitgliederversammlung. Die Presse berichtete ausführlich darüber.